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Vierter Twittwoch Rhein-Main in Frankfurt

Back to the roots, nach Mainz ist die vierte Runde des Twittwochs Rhein-Main nun zu Gast in Frankfurt. Dieses Mal fand der Twittwoch im Rahmen der M-Days, einer der größten Mobile-Messen Europas, statt. Zwar hatten Twitteristi wie Interessierte bei ihrer Anreise dieses Mal nicht mit steilen Medienhügeln zu kämpfen, die sibirische Kältefront machte es aber zumindest den zu Fuß Anreisenden nicht gerade angenehm. So hieß es Hände warm halten, damit der Hashtag #twrm einmal erneut Trending Topic auf Twitter wird. Thema des 4. Twittwochs war dieses Mal “Social Media & Mobilität”. Als Referenten konnten gewonnen werden:

Benjamin Kirschner, Gründer von flinc, Bernd Conrads, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) sowie Florian Schrodt, Referent Personalmarketing und im Facebook-Team Deutsche Flugsicherung.

Mobilität 2.0 kann nur über offene Schnittstellen funktionieren

Den Anfang machte flinc. Im Mai 2010 in Ludwigshafen gegründet, versteht sich flinc als als clevere Mitfahrgelegenheit. Genauer gesagt: als „Social Mobility Network“. Hervorgegangen aus einem Studienprojekt von Michael Hübl, Benjamin Kirschner und Alexander Kuhn an der Hochschule Darmstadt, kombiniert flinc Smartphone, soziales Netzwerk und Navigationslösungen zu einem internetbasierten System, das die Vision von Mobilität 2.0 lebendig werden lassen könnte.

Bei Mobilität 2.0, so das Verständnis von Benjamin Kirschner, ist hier weniger die Rede vom Elektroauto. Vielmehr visioniert Kirschner in diesem Zusammenhang über ein neues, innovatives und vor allem nachhaltiges Mobilitätskonzept, das mittels technologischer Lösungen dabei hilft, freie Fahrzeuge online zu orten und bei Bedarf einen Platz zu buchen, angelehnt an das sogenannte Peer-to-Peer-Carsharing. Das Ganze funktioniert ortsunabhängig und gilt sowohl für Langstrecken wie auch für Kurz- und Teilstrecken. Der Clou: Auf Basis der Routendaten und mittels Integration in mobile Navigationslösungen gleicht flinc die exakten Routendaten fortwährend auf potentielle Mitfahrgelegenheiten ab, sofern dies vom Fahrer erwünscht ist.

[Benjamin Kirschner (flinc) und Stephan Fink, einer der Twittwoch-Organisatoren]

Die Leitidee “Social Network” findet hingegen Anklang in puncto Sicherheit durch Vertrauensnetzwerke. Durch Bewertungen seitens Fahrer und Mitfahrer sowie die Vernetzung mit “vertrauenswürdigen” Nutzern sinkt die Hemmschwelle (Angst), bei Fremden ins Auto zu steigen. Weitere Vorteile gegenüber konventionellen Mitfahrgelegenheiten findest du hier. Wie das Buchen von Fahrten funktioniert, siehst du unten:

Was mir besonders gut gefiel, war die konsequent durchdachte Umsetzung der Vision “Mobilität 2.0″. Unter dem Dach “Social Mobility Network” dachte man nicht nur an eine User-zentrierte Entwicklung in puncto Usability. Auch in Sachen Feedback wurden Schleifen via Facebook, Twitter, Chats und Feature-Requests eingebaut, um Ideen, Wünsche und Anregungen für die Nutzung und Weiterentwicklung von flinc eingebaut. Im Kern geht es zudem um Vertrauen – in die Technik, in den Nutzer sowie in das Unternehmen. Auch hier erkennt flinc einen zentralen Faktor, der in der Kommunikation von hoher Bedeutung ist. Wer Vetrauen durch widersprüchliche Parameter verspielt, ist kaum in der Lage, über den Start-Up-Status hinaus zu kommen.

Zu guter Letzt plädiert Kirschner für offene Schnittstellen. Ohne offene Schnittstellen kann sich die Vision einer Mobilität 2.0 nicht durchsetzen. Genauer gesagt sucht er nach Kollaborationsmöglichkeiten – setzt sich für ein ganzheitliches System ein, das verschiedenste Verkehrsinfrastrukturen zu einem Gesamtkonzept verzahnt. Keine Mitfahrgelegenheit vorhanden? Kein Problem, als Ausweichmöglichkeit stehen ja noch öffentlicher Nah- und Fernverkehr zur Verfügung. All diese Optionen, um von A nach B zu kommen, vereint in einem System, von überall abrufbar – das ist die Zukunft. flinc hat auf jeden Fall das Zeug, noch ganz groß raus zu kommen, erst recht dank wachsendem Umweltbewusstsein und steigender Benzinpreise. Dennoch müssen zunächst ein paar Hürden überwunden werden. So wäre es wünschenswert, wenn sich das Verhältnis Fahrer:Mitfahrer mit der Zeit angleicht (im Moment 3:1). Und auch ein ernstzunehmendes Geschäftsmodell (z.B. via Unternehmensangebote) wird sich beweisen müssen.

Feedbackschleifen im öffentlichen Nahverkehr: Mehr Qualität in der Infrastruktur

Im Anschluss wurde das Mikrofon an Bernd Conrads weitergereicht. Ohne Slides, aber – ich zitiere – “bumsstolz” berichtete der Leiter der VGF-Unternehmenskommunikation vom Weg in die sozialen Medien. Vorrangiges Ziel der VGF ist es zunächst, in den Dialog zu treten, sprich mit den Menschen ins Gespräch zu treten, die tagtäglich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Der Startschuss fiel im August 2011, der Launch erfolgte ohne großes Aufsehen. Seit dem werden Anregungen und Kritik augenommen, die als schnelles Feedback zwecks Qualitätsmanagement an das Infrastrukturteam übermittelt werden. Was – wenn überhaupt – sonst in 2-3 Tagen ablief, ist nun Sache von wenigen Stunden. Drei Personen umfasst das Social Media-Team der VGF. Die Leistungen umfassen U-Bahnen, Straßenbahnen und einige Busse in Frankfurt. Werbung hingegen spiele eine untergeordnete Rolle, für die Zukunft erwäge man jedoch auch die ein oder andere Image-Kampagne.

Auf Preisbeschwerden, so Conrads, habe man hingegen keinen Einfluss. Dies liege außerhalb des VGF-Zuständigkeitbereichs. Dies sei auch der Grund, dass neuen bzw. innovativeren Abrechnungsmodellen ein Riegel vorgeschoben wird. Dabei klang die Anregung aus dem Publikum bei Weitem höchst interessant: Verzicht auf die Abrechnung nach Zonen. Anstelle dessen mittels Smartphone/App/ÖPNV-CheckIn exakte Fahrtstrecke abrechnen lassen.

Recruiting via Facebook – passend für notwendige Ansprache einer jungen Zielgruppe

Den Abschluss machte schließlich Florian Schrodt (DFS). Ähnlich wie bei der VGF sieht er den Mehrwert von Social Media hauptsächlich im kommunikativen Austausch, weniger im “Marketing Bling Bling”. Nach einer längeren Kompetenzrangelei zwischen Kommunikation, Marketing und Personalabteilung wurde federführend von letzterer ein Facebook und Youtube-Account gelauncht, der die Karriereplattform (Website) flankieren sollte. Vor allem komme es im Bespielen sozialer Medien wie Facebook darauf an, Gesicht zu zeigen. Erst recht gelte dies für die DFS, die das soziale Netzwerk als Recruiting-Plattform nutzt. Im Vordergrund sollten dabei die Menschen, nicht das Unternehmen stehen. Nur so könne man eine Community mit ein wenig Spontaneität und Menschlichkeit überzeugen und Fans hinzugewinnen. “Der Ton macht die Musik”. Lockerheit in einem konservativen Unternehmen? Ja, das sollte zwangsläufig auf Facebook Maß aller Dinge sein. Nicknames wie “Josh Undweiterweißichsnet” zu siezen… hinterlässt einen komischen Beigeschmack. Notfalls nachfragen. Fragen – das wirke sich Schrodt zufolge generell positiv aus, da es zum Dialog animiert.

Auf 8.248 Fans kann die DFS inzwischen blicken. Vor etwas mehr als einem Jahr waren es noch 3.311. Das kann sich sehen lassen. Florian Schrodt sieht auch in der qualitativen Betrachtung den Facebook-Launch als geglückt an, erreiche man schließlich nicht nur mehr, sondern auch bessere Bewerber. Die Anschlusskommunikation auf eine Anfrage finde mal über Facebook, mal per E-Mail statt.

Auch kleine Fehler unterlaufen der DFS manchmal. Die würden aber zur Alltagskommunikation dazu gehören. Ein “Hallo” inklusive ausversehen Enter drücken und Absenden wird eher honoriert als geahndet. Auch bezüglich kritischer Themen (Fluglärm, neue Landebahn, …) könne man mit spontanem Feedback am ehesten punkten – indem man sich geschickt auf den Grundgedanken der Facebook-Page (Karriereplattform) bezieht und dann auf die zuständigen Kollegen und deren E-Mail-Adresse verweist. Das fände in den meisten Fällen Verständnis.

Bleibt noch die Promotion der Facebook-Aktivitäten. Der Launch fand zu den “Recruiting Days” der DFS statt. Beim Event machte man auf die Seite aufmerksam und ließ der Nachricht erst einmal Zeit, sich zu verbreiten. Zu einem späteren Zeitpunkt bewarb man die Page dann mit Ad Werbung und fuhr eine Cross-Media-Strategie, die Promotion-Aktionen in Schulen, auf Messen und via Broschüren beinhaltete.

Fazit

Eine schöne und im Themensprektrum vielfältige Auswahl der Präsentoren ließen den Twittwoch erneut zu einem vollen Erfolg werden. Bevor die Messe Frankfurt die Tore schloss, konnte noch ein wenig Zeit zum netzwerken genutzt werden.

Zu diesem Zweck war auch die Lokalität hervorragend geeignet. Somit war der  Ausrichtungsort äußerst treffend und dürfte dem Bekanntheitsgrad der Veranstaltung sogar noch einen kleinen Schub gegeben haben. Die Teilnahme lohnt sich jedenfalls immer wieder aufs Neue – zum Ärger derer, die nicht anwesend sein konnten. flinc drücke ich die Daumen für die Zukunft. Der nächste #twrm findet im Mai statt – wo und zu welchem Thema wird bald auf der Website des Twittwochs preisgegeben.

Add-On:

 

 

6 Gedanken zu „Vierter Twittwoch Rhein-Main in Frankfurt“

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